dieBielefeldKiste unterwegs

02. Oktober 2013

Christian Y. Schmidt, Journalist/Autor, Peking, China

Das Foto zeigt mich im Park des Kaiserlichen Sommerpalasts in Peking, in dem ich immer wieder gerne bin. Fernando Schmidt hat mich am 27. September fotografiert, und zwar vor der grossen aufblasbaren Gummiente des Holländers Florentijn Hofmann. Die ist gerade zur Beijing Design Week in Peking und schwimmt auf dem Kunming Hu herum, dem grossen See im Sommerpalastpark. (http://en.wikipedia.org/wiki/Rubber_Duck_%28sculpture%29)

 Die Ente soll nach Aussage von Hofmann Kindheitserinnerungen wecken. Deshalb habe ich das Foto mit Gisela Schwerdt ausgewählt. Die Kommunalpolitikerin Gisela Schwerdt hatte nicht nur enorm spitze Brüste (wie man auf dem Foto sieht), sondern sie hat mich auch durch meine Kindheit und Jugend begleitet. So lange ich denken kann: Gisela war immer für mich da, zumindest in der Lokalpresse.
Die Wahl des Fotos soll aber auch eine Entschuldigung sein. Als Mitglied der ehemals ultrageheimen Digitalistischen Weltorganisation (DWO) habe ich ein Plakat mitzuverantworten, das Ende der Siebziger Jahre in ganz Bielefeld geklebt wurde. Auf diesem Plakat hatte die DWO behauptet, Gisela Schwerdt sei eigentlich ein Mann und heisse Giselher. Davon war natürlich kein Wort wahr. Gisela Schwerdt gehörte übrigens einer kleinen, obskuren Partei an, die heute praktisch niemand mehr kennt. Ich hoffe, dass dieses Foto vom Foto in Peking das Andenken an diese Partei wenigstens ein wenig aufbewahrt. Die Partei hiess F.D.P.
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01. Oktober 2013

Nadia Ottiger und Adrian Marti, Tshwane, Südafrika

Flächendeckend wird der afrikanische Kontinent mit Einkaufstempeln überzogen. Zeichen der Modernität und des Aufbruchs, aber auch Pfuhle des globalisierten Einheitsbreis. Wohltuend hebt sich davon die Oriental Plaza in Johannesburg ab. Im Jahre 1975 wurden die bisherigen, v.a. indischen Quartierläden in dieses Shoppingcenter gepfercht, um das Quartier zu einem weissen Wohnquartier umzugestalten.

Was sich der Psychologe Verwoerd, der Architekt der Apartheid und Rassentrennung, nicht hätte träumen lassen: Heute schlendern Burkas, burische Farmerhemden, afrikanische Shweshwe-Röcke und touristische Outdoor-Funktionsbekleidungen durch die Oriental Plaza; einige von ihnen auf der Suche nach den zweitbesten Samosas der Welt (bessere gibt es nur in der nordindischen Stadt Jorhat, Assam, in einem namenlosen Kiosk in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs).

Ja – und irgendwie erinnert das Eintauchen der beiden Kinder in die Bielefelder Kühltruhe auf dem ausgewählten Foto an das Erleben und Entdecken in der Oriental Plaza. Oder deutsch und deutlich ausgedrückt: BIELEFELD IST ÜBERALL und ALLES WIRD GUT!

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25. September 2013

Holk Cruse, Biologe, Bielefeld

Dieses Bild habe ich ausgewählt, weil es mich an einen meiner Lieblingsorte erinnert, einen Weg im Wald unseres Nachbarn, Gerd Göhner, auf dessen Hof in Häger wir seit etwa 30 Jahren leben. Dieser Ort hat zu jeder Jahreszeit eine ganz eigene Ausstrahlung. Besonderes im Frühsommer, wenn die Sonne durch das frische Buchenlaub scheint, fühlt man sich wie in einem Kirchenraum. In der für Veit Mettes Arbeiten typischen Art lösen auch in diesem Bild nicht vereinbare Elemente die Suche nach Interpretationen aus, nach einer Synthese, die aber offen bleibt.

Das von meiner Frau stammende Foto zeigt mich an diesem Lieblingsort. Es wurde am 12. Juni 2013 aufgenommen, dem Tag des 220. Richtfestes unseres Hauses. Im Hintergrund links erkennt man ein Siek, typisch für die Ravensberger Landschaft. Am Ende führt der Waldweg durch einen noch teilweise erhaltenen Wall, der, vermutlich seit über 500 Jahren, die Grenze zum Nachbarhof markiert.

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12. September 2013

Anna Konik, Videokünstlerin, Warschau

Das Foto des Todesengels an dem Toten, dessen Gesicht unsichtbar ist und mit der älteren in die Ferne blickenden Frau im Vordergrund, habe ich ziemlich lange mit mir herumgetragen. Ich konnte keinen Ort finden, der uns zu viert gleichzeitig aufnehmen könnte. Die Blicke des Todesengels und der älteren Frau sind seltsam zeitlos und außerhalb des Bereiches, wo mein Blick hinfällt. Der Himmel über dem polnischen Meer war der natürlichste Ort, an dem ich sie für einen kurzen Augenblick treffen konnte.

Wolken, Wind, Wasser, Sonne, Sand, glückliche Menschen – all das ist auf meiner sonnigen Seite des Lebens…

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22. August 2013

Steffen Weise, Borken

Mein Lieblingsbild ist „Karneval der Kulturen“, zu sehen bin ich damit in Potsdam am Basin (Holländer-Viertel). Dieses Bild habe ich ausgesucht weil ich das Lebendige (Die Tänzerinnen) und das Geheimnisvolle in der Tiefe (Mutter und Kinder sehen offensichtlich etwas Spannenderes) sehr gelungen finde.
Der Lieblingsplatz ist das Holländer-Viertel, weil es sehr vielseitig und interessant ist.
Da gibt es Kneipen, Cafés und vieles mehr ( hab noch nicht alles entdeckt). Für mich ist Potsdam als Stadt schon auch etwas wie Karneval der Kulturen.

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7. August 2013

Rainer Schürmann, Kulturmanager, Bielefeld

Der Bunker, der Bunker und nochmal der Bunker. Bunker Ulmenwall, seit mehr als 50 Jahren die kulturelle Sozialisationstankstelle in Bielefeld. Bühne für zeitgenössischen Jazz, Popkultur, Literatur (früher war mehr Kabarett, hätte Loriot gesagt). Unser unzeitgemäßes Unikum unter der Erde des Ulmenwalls. Kommerziell weitgehend lebensuntüchtig, aber unverzichtbar, auch wenn Politik und Verwaltung alle 10 Jahre Kürzungsgelüste überkommen. Ist überhaupt nicht schick, der Bunker, weder innen noch außen. Hat es aber in letzter Zeit wieder mal ins Fernsehen und in die Feuilletons überregionaler Zeitungen geschafft. Hasta siempre, Bunker!

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26. Juli 2013

Dagmar Bischoff, Künstlerin, Borken

„Komm her, wir haben dieselbe Nase!“
Latinoleidenschaft/ Frauenpower/ Erinnerungen an Argentinien/ Dynamik/ Kraft/ pura vida
Das Bild drückt für mich aus: Keine falsche Bescheidenheit. Nimm dir den ganzen Kuchen.

 

 

 

 

 

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18. Juli 2013

Jens Kirschneck, CvD Redaktion „11 Freunde“, Berlin

Madrid, Churros-Laden. Dieses Foto von Veit Mette lag jahrelang im Archiv des Bielefelder StadtBlatts. Als ich dort Redakteur war, wollte ich es immer mal für eine Geschichte verwenden – es ist, glaube ich, nie gelungen. Was nichts daran ändert, dass es immer ein Liebling war, wie auch die authentische Churros-Bar am Madrider Tribunal während meines zweimonatigen Aufenthalts dort. Passt doch gut zusammen, oder?

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12. Juli 2013

Wolfgang Lücke, Porta Westfalica

Das Foto mit mir entstand während der Windjammer-Parade Kieler Woche auf der Bark (Rahsegler) „Alexander von Humboldt II“, einer der Kathedralen der Meere.

Ausgesucht habe ich mir das „Mädchen in Sieker“:

Entrüstung – „Geh weg!“ – Wut – Freude – „Nicht mit mir!“ – Emanzipation – „Geschafft!“ – „Bis hierher und nicht weiter!“ – Na endlich – Selbstbewusstsein –  Stolz –

Was auch immer man in dem Bild zu sehen glaubt – es geht mir wohl um WÜRDE.

DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR.

Ist es nicht eigentlich ganz einfach und leicht, sich danach zu richten? Und schön obendrein!

 

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19. Juni 2013

Peter Schanz, Autor & Dramaturg, Neuwittenbek

Aus der Hansestadt Bielefeld werden all die schönen Hamburg-Süd-Container um die Welt geschickt. Bunte Bielefeldkisten, auch so schön in Reih & Glied gestapelt wie die grauen Geräte vom videoclub, die Pyramiden des Nichts mit ihren trostlosen Matt-Scheiben. Da wird Stieghorst zu Tollerort: wo die aufgeschichtete Langeweile voller Verheißung ist. Denn all die vielen guten Geschichten, die da verweigert werden, die kennen wir doch, sie sind ja in uns drin. Sie begleiten uns ja um die Welt, ostwärts wie westwärts. Und manche kreisen auch um Bielefeld.

 

 

 

18. Juni 2013

Andrea Eickmeyer, Schulpsychologin, Hamburg

Ich habe dieses Foto ausgesucht, weil ich in Bethel zur Schule gegangen bin. Die Schule war nicht so eine gute Erfahrung, die Menschen schon! Auf meinem Foto seht ihr mich vor einer Schule im Hamburger Nordosten, wo ich mit anderen, hier mit meinem Kollegen Harro,  daran arbeite, dass Schule besser wird.

 

 

 

15. Juni 2013

Philipp Hausdörffer, Weinberger Puppenkiste, Minden

Ein Kind präsentiert den Namen seines? Stadtteils in dem es lebt. Ein Labyrinth von Halbkugeln versperrt einen Schienenstrang (fährt hier noch eine Straßenbahn?) ..oder hält Fahrzeuge von den Schiene fern? Wozu sperren, die anscheinend alles versperren?

 

 

 

 

 

 

14. Juni 2013

Neues von Werner Zeppenfeld, ehem. ARD-Afrikakorrespondent, Msambweni (Kenia)

Die Bielelefeld-Kiste ist inzwischen Richtung Hanoi unterwegs. Msambwenis Posthalter Prosper (Foto) musste 35 Marken auf den Deckel kleben, der gottlob groß genug war. Jetzt heisst es: Daumen drücken, dass die verbliebenen neun Fotos dank Luxusfrankierung auch wirklich in Vietnam ankommen…

12. Juni 2013

Ingo Börchers, Kabarettist, Bielefeld

Wenn man bei Google Earth den Jahnplatz an die Wesermündung copypasten könnte, so käme mit einiger Wahrscheinlichkeit Bremerhaven dabei heraus.  Ebendort entstand im Mai 2013 dieses Foto. Und der Betrachter ahnt: Die hier wahrnehmbare Idylle ist räumlich begrenzt. Bielefeld und Bremerhaven. Beide haben es nicht immer leicht. Vielleicht sollte man über eine Städtepartnerschaft nachdenken…

 

8. Juni 2013

Werner Zeppenfeld, ehem. ARD-Afrikakorrespondent, Msambweni (Kenia)

Meine Bielefelder Jahre, das waren die 90er. Und so erklärt sich, dass ich aus „meiner“ Bielefeld-Kiste sofort die beiden Fotos herausgefischt habe, die drei bekannte Protagonisten jener Zeit zeigen. Weil sie allesamt medien-notorisch waren, hatte ich als damaliger Platzwart des WDR immer wieder mit ihnen zu tun. Ich habe mich am Ende nicht für das Traumpaar Wendt/Schwick entschieden, das Veit Mette beim Sportlerball ’94 in seiner ganzen tapsigen Komik aufs Korn genommen hat. Sondern für das noch strammere Stück Provinz, das da mit durchtrainierten Backen dem Sicherheitsdienst der Uni Bielefeld entgegentritt. Ernst Wilhelm Wittig, das muss in der Rückschau auch der kirchenzüchtigste Lokalcalvinist anerkennen, hat sich um das liberale Image der Leineweberstadt bleibende Verdienste erworben. Jedenfalls ist er jahraus, jahrein durch das Städtchen am Teuto und durch die Medien der Republik geradelt, für die nackte Wahrheit und nichts als die Nacktheit, Kappe auf dem Kopf und (wenn es hoch kam) ganz unten noch ein paar Turnschuhe dran. Ernie: du magst zwar bekloppt sein – aber du bist und bleibst das stärkste Stück von meinem Mette-Bielefeld!

Dir zu späten Ehren setze ich für’s gewünschte Gegen-Foto auch noch mal eine alte Kappe auf, die von der ARD, ziehe allerdings darunter etwas mehr an, und grüße vom Indischen Ozean in die alte Heimat am Obersee. Wenn du, lieber Ernie, noch Fragen hast, oder wer auch immer sonst: www. mbuyubeach.com. Da liegt Werner Zeppenfeld, vormals Landesstudioleiter an der Lortzingstraße, dann ARD-Afrikakorrespondent, jetzt Vorruheständler in Kenia, derzeit in der digitalen (und realen) Hängematte…

zeppenfeld

 

24. Mai 2013

Jörg Boström, Professor für Fotografie, Minden:

.. der Junge ist ungeschützt und mutig.. erinnert mich an meine Kindheit.. aufrecht und eigensinnig.. wir vor einem Bild zum Projekt Weserufer.. in meinem Atelier in Minden..

 

 

 

 

 

 

 

 

17. Mai 2013

Christiane Heuwinkel, Öffentlichkeitsarbeit Kunsthalle, Bielefeld:

Dass Esel ebenso klug wie störrisch sind, zeigt das Bild, bei dem sich der Esel dem Fotografen und damit seinem Porträt verweigert. Diese Weitsicht, sich dem Bild zu verweigern, indem man sich selbst auf extreme Nahsicht reduziert, imponiert mir. So zeige ich mein Lieblingsbild von Veit vor einem Ort der Bilder, der Kunsthalle Bielefeld, sitzend auf einer Arbeit von Sol LeWitt, die irgendwie auch eine Verweigerung ist: der klassischen Skulptur gegenüber.

 

 

 

 

 

 

 

 

15. Mai 2013

Britta Haßelmann, Bundestagsabgeordnete, Berlin:

Ich habe mich für den „Falschen Polizisten“ entschieden, den ich natürlich auch so oft angetroffen habe, wenn er Samstags früh zwischen Sparkasse und Post an der Herforder Straße den Verkehr regelte. Mein Kommentar dazu: „Bielefeld, eine Stadt in der es normal ist, verschieden zu sein.“

Britta_Haßelmann

 

 

 

 

8. Mai 2013

Til Mette, Cartoonist, Hamburg:

Ich mag dieses Foto, weil es mich an mein Heimatdorf Theesen erinnert. Außerdem mag ich Fotos mit Hand und Fuß.

TilMette

 

 

 

 

 

 

3 Comments

  1. Achim Borchers

    Hoffen wir mal, dass Werner Zeppenfelds Kiste alle zehn Etappen schafft, angesichts der Anforderungen an das Weltpostwesen in Sachen vielschichtiger Briefmarkenbestückung ;-).

  2. Ronald Herzog

    Search and destroy Mutti Schwerdt!
    Eine schöne Idee und eine Träne im Gedenken ans StadtBlatt.

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